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Nachhaltiges Reisen ... ist gleich nachhaltiger Spaß

Aktualisiert: 22. Sept.

Achtung: jetzt wird es tierisch ernst .... oder auch nicht:-)


Nachhaltiges reisen ist in aller Munde, soll die Zukunft sein und ja, soll Spaß machen. Das tut es auch. Also, erst mal nicht, aber im Nachhinein ist es echt nachhaltig im Gedächtnis. Wie es bei uns dazu kam ...


Wir ... das sind ein paar Damen, die sich seit langer, langer Zeit kennen. Gerne verreisen wir einmal im Jahr zusammen, um vor Ort in Kultur, Land und Leute einzutauchen.


Dieses Jahr stand WIEN auf unserem Programm und zwar NACHHALTIG - wir fuhren mit der BAHN.


Die Tickets hierzu buchten wir mehrere Wochen im Voraus und uns dass dies nachhaltigen Eindruck hinterlassen sollte, ahnten wir vor mehreren Wochen auch noch nicht.


Aber erst mal von Anfang an, freudige Erwartung pur und der Abreisetermin kam näher.

Skyline am Ostbahnhof München

In der S-Bahn Richtung Ostbahnhof München überprüften wir nochmal die anstehenden Zugverbindungen, deren Zugnummern, Abfahrtszeiten, Gleise etc.


Alles hat gepasst;-)

Die Strecke

ab München Ostbahnhof

2 x umsteigen:

einmal Rosenheim, dann über Salzburg nach Wien.


Rosenheim erreichten wir schon mal rechtzeitig und wir warteten am Bahnsteig auf den Zug nach Salzburg. Wohl bemerkt:


Am richtigen Bahnsteig,

zur richtigen Zeit mit der

richtigen Zugnummer

kurz bemerkt: den vermeintlich richtigen Angaben.


Die Überraschung sollte 1,5 Stunden später folgen. Wir stiegen erstmal unbedarft und nichtsahnend ein.


Nach Einnahme der Sitzplätze waren wir bereits tief versunken in diverse Stadtführer und lebhaftem Geratsche über alles und noch was.


Das Wetter spielte mit, es war sonnig mit wolkigen Abschnitten - quasi perfekt um bald die Stadt Wien zu erkunden. Ab und an sahen wir auch aus dem Fenster und bewunderten die vorbeifahrende Bergwelt.


Ähm...apropos Bergwelt?

Wir fuhren also an der Bergwelt Kufsteins vorbei, auch an Wörgl. Dann wurden wir langsam stutzig und wir fragten uns, warum die Bahn eigentlich soooooo umständlich und mit einem riesigen Bogen nach Salzburg fuhr? Das kam uns dann nachhaltig spanisch vor...


Mittlerweile war es 21:35 h.

"Meine Damen, wo soll es denn heute noch hingehen?"

Sie kamen wie gerufen: die Schaffner des ÖBB. Sie sahen den Wien-Guide in meiner Hand, kontrollierten gleichzeitig unsere Zugtickets und einer der Herren fragte uns freundlich, mit dem Blick auf das Wien-Buch, wo wir denn heute noch hinwollten?


Antwort unsererseits:

"Nach Salzburg und von dort nach Wien." (fragender Blick....)


Antwort seinerseits:

"Na, das wird heute wohl nichts mehr. Ihr sitzt im falschen Zug!"

(entspannter Gesichtsausdruck)


Wie bitte?

(große Augen unsererseits)


Nee jetzt.... Zugnummer, Abfahrtszeit ... alles stimmte überein.


Antwort seinerseits:

"Ja, das ist so. Alles korrekt. Aber der Fahrplan selbst wurde vor ca. 1 Woche umgestellt und dieser Zug fährt definitiv nicht nach Salzburg!" (betont ruhig)



Oh..... my..... God !!!!! :-)

Wir waren total baff und sahen uns schon stranden in Österreichs nowhere, mit einer Flasche des roten Weines in der Hand und uns die Nacht auf einem Bahnsteig um die Ohren schlagend.


Der freundliche Schaffner jedoch meinte ruhig und nach der Suche eines alternativen Zuges in Richtung Wien...



"Ihr könnt in Ruhe jetzt hier im Zug sitzen bleiben, Ihr fahrt`s jetzt 1,5 Stunden weiter und in Schwarzach St. Veit habt Ihr kurz Zeit um in den Zug nach Salzburg umzusteigen.

Der nächste Wienzug ab Salzburg geht morgen früh um 6:00 Uhr

oder dann wieder um 8:00 Uhr."

(einfühlende Tonart)

Should we go or should we stay?

Was sollten wir nun tun?

Aussteigen und zurückfahren?

Weiterfahren?


Wir entschieden uns für das Weiterreisen und wurden mit einer schönen Aussicht auf den Wilden Kaiser belohnt, wir durchfuhren Kitzbühel, Saalbach und Zell am See, eine nicht beabsichtigte Panoramatour sozusagen.


Unkend bereiteten wir uns schon mal auf die schlaflose Nacht in Salzburg vor und machten uns Gedanken, wie wir wohl bis 6:00 Uhr früh wach bleiben könnten.


Coole Vorstellung... wir nicht mehr taufrischen Hühner nach einer durchwachten Nacht. Nee, das wäre nichts geworden. Wir entschieden uns für ein Hostel am Bahnhof.


tolle Panoramatour - wenn auch leicht unfreiwillig

Die Stimmung war insgesamt sehr heiter und lustig, da unsere Nachbars-Fahrgäste, alle 4 aus Essen kommend, auch eine wahre Odyssee hinter sich hatten. Wir hatten uns viel zu erzählen über nachhaltiges Reisen und den ebenso nachhaltigen Eindruck.


Wir erreichten Salzburg also um 23:30 Uhr. Unser Hotel in Wien informierten wir bereits unterwegs telefonisch, dass wir einen unfreiwilligen Stop einlegen mussten. In Salzburg angekommen steuerten wir direkt a&o Hostel am Hauptbahnhof an, eine gute und praktische Wahl, nicht nur für Gestrandete.


Und so verbrachten wir 4 müden Grazien unsere 1. Nacht in 1 DZ mit einem Doppelbett und 2 Kinder-Stockbetten. Wie nett. Die Reise ging ja mal wieder gut los, ob es das bereits gewesen war? :-)


Last not least kamen WIR am nächsten Tag in Wien gegen Mittag an und waren nachhaltig bester Laune, dass der Urlaub jetzt beginnen würde und eigentlich nichts mehr passieren könne. Denkste!

"Wir würden gerne unsere Zimmer beziehen"

"Welche Zimmer? "


Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sich manches einfach aneinander reiht. Wo wir sind klappt nichts? Oder wie?


Wir wollten gerade im Hotel einchecken, um dann zu erfahren, dass die Zimmer und die Reservierung nicht mehr stünden. Ähm ... wie bitte? Unser Anruf vom Vorabend war nicht im System hinterlegt, es gäbe keine telefonische Mitteilung unsererseits, auch keine E-Mail und somit war alles erstmal unsere Schuld. Logo.


Rezeption Hotel Schani, Wien

Nach einigem Hin und Her an der Rezeption besänftigte man uns Weibsen mittels einem beruhigendem Getränk aufs Haus und unter dem Einsatz des pfiffigen Rezeptionisten fand dieser eine Lösung, obwohl auch er einen kurzfristigen Schweißausbruch hatte.


So einen Kuddelmuddel hätte er auch noch nicht erlebt in seiner Hotellaufbahn und er bräuchte mal 1/2 Stunde Zeit, um das Anliegen irgendwie zu lösen. Ausserdem sei Wien an diesem langen Wochenende komplett ausgebucht. Und dies das erste Mal nach Corona. Ein bissel leid tat er uns schon, er war ein echt netter junger Mann.

da haben sie recht im Hotel Schani :-)

Ab jetzt haben wir Glück

So saßen wir in der Lobby und beschlossen ganz leger, sitzend auf den Trolleys, das wird schon, ab jetzt haben wir Glück und dem war auch so. Der nette junge Mann kam mit zwei beziehbaren Doppelzimmern auf uns zu und ab da hatten wir immer Glück - unser Motto des Urlaubs.


Nach 3 wunderbaren Tagen in Wien war es wieder soweit: ab zum Hauptbahnhof Wien, um die Heimreise anzutreten. Mal sehen ...


Ölsardinen to go - Heimreise mit Hindernissen

Um 16:00 Uhr standen wir rechtzeitig am Bahnsteig und gleichzeitig mit uns 100e anderer Reisenden, alle mit Trolleys, alle mit Rucksäcken, und WIR mit dem Ziel: München direkt.


Verwundert erwähnte eine junge Dame hinter mir, dass heute besonders viel los sei, sie kenne das gar nicht in diesem Ausmaß.


Aha?


Na ja, das Ausmaß sahen wir dann höchstpersönlich, als wir im Zug waren und sich alle auf den Plätzen verteilten und die Gänge zudem noch maßlos verstopft waren.


Das Bild von einem voll bepacktem asiatischem Transportmittel kam in mir hoch, vielleicht sassen noch Menschen auf den Dächern? :-) Zumindest fühlten wir uns wie Ölsardinen.Wir schüttelten den Kopf, es war grenzwertig.



Unser Abteil war überhitzt, die Menschen gestresst, Schweißperlen rannten manche Stirn herab, die Fenster waren geschlossen.


Die Reservierten konnten ihre Plätze nicht beziehen, weil es einfach kein vor und zurück mehr gab.


Die Sitzenden wurden bedrängt von den Stehenden und Platzangst kam mancherorts auf. Wie gesagt, grenzwertig.


Ich begann dann angesichts der stehenden Passagiere, Tetris zu organisieren und die Schlangen zu entzerren, was mancher vielleicht unmöglich fand, jedoch der einzige Weg war, um Menschen von links nach rechts zu schieben. Tetris halt.



Und so setzte sich der Zug dann in Bewegung. Aber nicht lange. Eine Station weiter folgendes:


Stehparty im Zug

Nächster Stopp: " bitte alle aussteigen...

... an die, die keine reservierten Sitzplätze haben!"


Hier meldete sich der Lokführer höchstpersönlich, genau nach einem Halt von Wien entfernt und dies ganze 2 x, auch mit der Bemerkung, er würde nicht weiterfahren, wenn Personen ohne Sitzplatz-Reservierung nicht aussteigen würden!


Aussteigen? Hier in der Pampa?


Nette Ansage, aber vergiss es einfach, andere Züge waren sicher genauso voll aufgrund des langen Wochenendes. Erneut ging lautes Raunen durch die Menschenmenge. Wir mussten nur grinsen, das gab es doch alles gar nicht :-)


Die Stehenden fragten sich, ob diese Art der Durchsage nicht eher schon in Wien gut gewesen wäre. Warum?

Weil die Möglichkeiten der Zugverbindungen in der Hauptstadt auf jeden Fall besser sind als irgendwo in der Pampa.


Ich will ja nichts sagen, aber auf dieser Heimfahrt hatten wir insgesamt noch 2 weitere kurzfristige Stopps und wir kamen in München mit 50 Min. Verspätung an.


Unser Glück war, dass wir keinen Anschlusszug brauchten und unsere S-Bahn wie bestellt am gegenüberliegenden Bahnsteig 1 Minute später einfuhr.


Wir haben einfach Glück

Wieder Glück gehabt.


Sonst hätten wir weitere 40 Minuten warten dürfen, da nachts die Münchner S-Bahn im 40-Minuten Takt fährt. Es hätte uns aber auch ein Streik drohen können oder ein Stopp des Zuges aufgrund böser Vibes. Ich sage nur: Schienenersatzverkehr!! Das wäre es ja noch gewesen!!


Ich weiß ja nicht, wie es Dir geht, wenn Du das Wort

Schienenersatzverkehr !!!

hörst?


Das Wort Schienenersatzverkehr entlockt manchem ein wissendes Grinsen im Gesicht und mancheiner kann eine Geschichte dazu erzählen, der selbst schon im Outback zwischen München und seinem Heimathafen gestrandet ist.


Vielleicht kennst Du das ja auch von Deinem ÖPNV und wie flexibel man hier reisetechnisch an die Sache rangehen muss.


Das Phänomen Schienenersatzverkehr ist weder Uhrzeit- noch Wochentag abhängig, aber oft vom Wetter oder kosmischen Störungen oder weiß der Deifel warum noch.


Häufigste Gründe sind der berühmte "Oberschienenschaden", querliegende Bäume auf den Gleisen, Technisches oder gefühlt spontane Reparaturen. Wenn nichts kommuniziert wird, dann sieht es halt nach "spontan und aus dem Nichts" aus. Ist halt so für uns Fahrgäste.


So ist es dann eben gut möglich, dass Du per Lautsprecher-Durchsage mitgeteilt bekommst, dass Dein Zug nun in xyz stoppen wird und Schienenersatzverkehr eingesetzt würde. Würde...


E scheint, dass diese "Ersatzfahr-Dienste" offenbar nicht immer gleich oder rechtzeitig von Ihrem Einsatz zu wissen scheinen, denn egal welches Wetter - Du stehst erstmal am Bahnsteig herum und harrst der Dinge, die da hoffentlich nach 30 Minuten Wartezeit endlich eintrudeln. Wenn das dann genau 1 Bus ist für eine große Menschentraube, dann wird der Spaß leicht brenzlig bis ellenbogig.

Appell an die Leute von der Bahn

Buchungen und Bestätigungs- Emails

Bitte, bitte... könntet Ihr netterweise vermerken, dass ab Datum xyz ein Fahrplanwechsel bevorsteht und wir vorsorglich unsere Routen noch mal kontrollieren sollen?


Und das eben in ganz fett!!


Wir sind halt nunmal notorisch blinde Fahrgäste in einer hektomaten Welt und brauchen gerne mal die fette Schrift.


Danke, danke

aber auch für Eure Kulanz, wenn 4 ratschende Damen wie wir, auf einmal eine ganz andere Strecke befahren ... also eigentlich raben-SCHWARZ unterwegs sind und Ihr uns trotzdem keinen Vortrag haltet, sondern uns beruhigend vor einer durchwachten einsamen Nacht an einem Bahnsteig bewahrt.


Oder auch für´s schnelle Finden von Zugverbindungen, die uns verirrte Menschlein wieder auf Strecke bringen.


Danke auch nochmals an den jungen Rezeptionisten im Hotel Schani, Wien. Schee war's bei Euch. Wir kommen wieder.


@Schani, Wien. In diesem Sinne ...



Gibt's ein Bulli-Proof zum Thema nachhaltiges Reisen?


Da fällt mir noch etwas ein:


ich bin ja noch nicht ganz vom Glauben abgefallen, aber mein letztes bestes Beispiel im Großraum München ist das Bedienen der MVV-Ticketschalter.

Das ist sooooo kompliziert, dass ich leider schon wieder mehr den Kopf schütteln

muss als bejahend zu nicken, wenn's um die Öffis geht.

Am Ticketautomaten blicke ich als "Ureinwohner" schon nicht durch...


Fazit:


was wären denn Reisegeschichten ohne Anekdoten.

Ich gehe mit Sicherheit wieder mit der Bahn reisen

und mal sehen, was ich dann zu erzählen habe.


Schließlich habe ich ja jetzt das 9,-- Euro Ticket :-)

und vielleicht sollte ich gleich mal nach SYLT ... hi hi


Es grüßt Trixi von Bulli-Proof

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