Urlaub in Bozen - unterwegs und doch daheim
- Bulli-proof

- vor 4 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Ich gehöre zu den Menschen, die sich zuhause ausgesprochen wohlfühlen.
Ich mag mein Erding, meine Lieblingscafés, meine vertrauten Wege und die Menschen, die ich kenne.
Dort bin ich daheim - da bin ich #dahoam_in_erding
Und trotzdem zieht es mich jedes Jahr, sobald die schönen Tage beginnen, wieder mit dem Bulli hinaus in die Welt. Nicht, weil ich weg möchte.
Sondern weil ich neugierig bin:
auf neue Orte, neue Landschaften und neue Geschichten.
Eigentlich sollte es in diesem Jahr wieder nach Holland gehen. Wie so oft lockten die Dünen, die Strandpavillons und das Meer. Doch das Wetter hatte andere Pläne. Während Deutschland und die Niederlande eher durchwachsen blieben, versprach Südtirol schon Tage zuvor Temperaturen um die 30 Grad.
Also wurde kurzerhand umgeplant.
Zieleingabe: Bozen
Über den Brenner ging es entspannt und nahezu staufrei nach Südtirol.
Mein Ziel war der vorab reservierte Campingplatz Moosbauer am Stadtrand von Bozen. Ein kleiner, feiner Vier-Sterne-Platz zwischen Weinbergen, Palmen und einer beeindruckenden Bergkulisse.
Und dann kommt das, was immer kommt: jedes Mal, wenn ich mit dem Bulli unterwegs bin, brauchte ich auch diesmal erst einmal etwas Zeit, um anzukommen.
Nicht auf dem Campingplatz. Bei mir.
Dann meldet sich diese innere Unruhe. Nutze ich die Zeit richtig? Was schaue ich mir zuerst an? Verpasse ich etwas?
Während der Bulli längst in Südtirol angekommen ist, hängt mein Kopf oft noch irgendwo zwischen Zuhause, Alltag und To-Do´s fest.
Früher hat mich das gestresst. Heute auch noch, aber zumindest weiß ich, dass es bei mir dazugehört.
Diesen Prozess nenne ich: eingrooven.
Schauen, wo der kleine Laden ist, wo der Pool liegt, wie die Wege über den Platz verlaufen und wo morgens die Sonne aufgeht.
Irgendwann passiert dann etwas ganz Unauffälliges.
Die innere Unruhe verschwindet.
Der Kopf wird leiser.
Und plötzlich merke ich, dass ich angekommen bin.
Bozen - eine tolle Fahrradstadt
Einer der Gründe, warum meine Wahl auf den Moosbauer gefallen war, waren die kostenlosen Leihfahrräder. Sie hatten zwar schon einige Jahre auf dem Buckel, doch die Reifen waren aufgepumpt, die Bremsen funktionierten und die meisten Gänge ebenfalls.
Und in Bozen selbst wartete die nächste Überraschung auf mich: eine Stadt voller Fahrräder. Ursprünglich wollte ich ja nach Holland fahren - und fand ausgerechnet in Südtirol ein kleines Stück davon wieder.
Parkplätze für Fahrräder und ein hervorragend ausgebautes Radnetz.
Hierzu habe ich einen eigenen Blogartikel über das Radfahren rund um Bozen geschrieben.

Ich hab´ so ein Ding mit Cafés

Nach meiner ersten Runde durch Bozen landete ich im Café Exil am Kornplatz.
Eigentlich war ich nur auf der Suche nach einem netten Café, gefunden habe ich viel mehr.
Mit einem Kaffee vor mir saß ich unter den Arkaden und beobachtete das Leben. Menschen flanierten durch die Gassen, Touristen blieben vor Schaufenstern stehen und Einheimische erledigten ihre Besorgungen.
Während ich dem Treiben in den Straßen zusah, begannen meine Gedanken zu fließen, Wörter fanden ihren Weg und Geschichten reihten sich wie von selbst aneinander.
Mein Geist war im Fluss und meine Kreativität auch. Denn ich war angekommen, nicht nur in Bozen, sondern auch ein Stück weit bei mir selbst.

Angekommen
Mit dem ersten Cappuccino war meine Entdeckungsreise durch Bozen allerdings noch lange nicht beendet. Mein Entdeckungsgeist war geweckt.
Ich liebe es, unterwegs auf Entdeckungsreise zu gehen.
Nicht nur durch Städte, sondern auch durch die Umgebung. Dazu gehört für mich inzwischen ganz selbstverständlich, mir Campingplätze anzusehen, die auf meiner Route liegen. Nicht, weil ich unbedingt einen neuen Platz suche. Sondern weil ich neugierig bin.
Vielleicht ist das ein Überbleibsel aus der Zeit, als ich fast zwei Monate lang Campingplätze für den ADAC besucht habe, um Fotografien zu machen. Ich habe diesen Job geliebt. Bis heute schaue ich nicht nur auf Stellplätze oder Sanitäranlagen. Mich interessiert vor allem die Atmosphäre. Warum fühle ich mich auf dem einen Platz sofort wohl und dort, trotz perfekter Ausstattung, irgendwie nicht?

Unterwegs und doch daheim

Tagsüber zog es mich hinaus. Ich ließ mich durch Bozen treiben, wanderte hoch zu den Geislerspitzen, fuhr mit der Seilbahn auf den Ritten, besuchte Ötzi in seinem Museum.
Und gegen späten Nachmittag war immer der Punkt erreicht:
Ich hatte genug gesehen und genug erlebt und dann wollte ich einfach "heim".
Nicht nach Erding, sondern zurück zum Moosbauer.
Zu einem lieb gewonnenen Ritual: mit einem Getränk auf der Hollywoodschaukel am Pool, mit dem Laptop auf dem Schoß.

An einem der letzten Abende saß ich wieder auf der Hollywoodschaukel am Pool.
Ein Camperpärchen gesellte sich dazu. Wir waren uns in den vergangenen Tagen immer wieder begegnet und grüßten uns inzwischen ganz selbstverständlich.
Über den Bergen begannen die Herz-Jesu-Feuer zu leuchten.
Wir unterhielten uns über Südtirol, das Reisen und irgendwann tranken wir einen Walcher Grappa zusammen.
Aus einem „Sie" wurde ein „Du" und aus Fremden wurden für einen kurzen Moment Vertraute.
Als ich später zu meinem Bulli hinüberging, dachte ich nur:
„Ich geh dann mal heim."
Für ein paar Tage war der Moosbauer mehr als ein Campingplatz.
Für ein paar Tage fühlte er sich einfach wie mein Zuhause an.


Wenn du mehr lesen möchtest:
Bozen mit dem Fahrrad entdecken
oder
oder















Kommentare