Der Blick hinter die Kulissen des Bloggens
- Bulli-proof

- vor 15 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
"Ach, du schreibst?"

Diesen Satz höre ich manchmal ... besser gesagt, eigentlich immer, wenn ich erzähle, dass ich schreibe. Und jedes Mal muss ich schmunzeln.
Denn ja, ich schreibe schon immer, ich blogge seit 2012 und schreibe Bücher und "ach du schreibst" ist anders, als mancheiner denkt. Hier geht es nicht um Tagebucheinträge oder so.
Und den Mythos vom "bisschen Schreiben" möchte ich jetzt mal ein bisschen gerade rücken.
So nach dem Motto:
viele denken, ein Blogartikel entsteht, indem man sich eine Stunde hinsetzt und munter auf den Laptop eintippt.
Gelesen ist es in 10 Minuten, aber was passiert davor?
Nehmen wir als Beispiel meinen Artikel „Bozen mit dem Fahrrad entdecken“. Wer den fertigen Beitrag liest, braucht dafür vielleicht zehn Minuten.
Tatsächlich begann mein Artikel über Bozen mit dem Fahrrad mehrere Tage vor Veröffentlichung und formierte sich auch erst im Laufe des Aufenthalts.
Und so läuft das mit dem Blogartikel schreiben:
Tag 1: Erst mal ankommen, dann mal sehen
Schreiben ist der für dich sichtbare Teil.
Das eigentliche Bloggen passiert oft lange vorher. Der Blogartikel "Bozen mit dem Fahrrad" begann nicht am Schreibtisch, sondern wie so oft, ausserhalb der heimischen Umgebung.
Es begann mit dem Campingplatz Moosbauer, einer Fahrradtour, dem einen oder anderen Cafébesuch, mit Fotos und Beobachtungen, mit Gesprächen und vielen Gedanken.
Geschichten oder Stories, musst du wissen, leben von Bewegung, von Inspiration, von Eindrücken, die sich ausdrücken dürfen... oder auch müssen.
Zurück zum Campingplatz:
Dort standen also kostenlose Leihfahrräder bereit, so wie das auch auf der Website zu lesen war. Am Tag nach der Ankunft schnappte ich mir also eines und fuhr los in die Stadt Bozen.
Noch wusste ich nicht, dass daraus ein Artikel werden würde. Aber ich machte Fotos, beobachtete, sammelte Eindrücke, mehr erst mal nicht.
Tag 2: Die Geschichte findet mich
In Bozen fiel mir etwas auf. Diese Stadt ist eine Fahrradstadt, denn die Räder findet man in Rudeln geparkt, wie ich mich im Blogartikel so schön ausdrückte. Die Fahrräder stehen wie in Holland gebündelt ALLE vor der Fussgängerzone oder vor den Altstadtgassen.
Später erzählte mir jemand, dass Bozen als besonders fahrradfreundliche Stadt in Italien gilt. Das kann ich im Nachhinein bestätigen. Und - plötzlich hatte ich einen roten Faden. Und der entwickelte sich zu einem Knäuel an Ideen, während ich im Café EXIL in Bozen meinen ersten Americano trank.
Mein Artikel sollte nicht nur von meiner Fahrradtour handeln, sondern von Bozen als Fahrradstadt.
Tag 3: Fotos machen, sortieren, auswählen
Viele glauben, die Fotos entstehen aus einer bestimmten Absicht heraus.
Tun sie auch meistens, aber ich fotografiere für mein Leben gern. Und manchmal halte ich auch tatsächlich Ausschau nach Motiven, wenn ich konkret weiß, dass ich explizit darüber schreiben werde.
Fotos sind wichtig, um mich auszudrücken, um dem Leser eine Vorstellung zu geben von den Örtlichkeiten oder Gegebenheiten.
Welches Bild erzählt meine Geschichte?
Wo stehen die Fahrräder in Bozen?
Wie sieht das aus?

Oder:
Wie wirkt das Café auf mich?
Aus welcher Perspektive fotografiere ich?

Am Ende landen natürlich mehr Bilder auf dem Handy, als später überhaupt veröffentlicht werden.
Tag 4: Recherche zum Thema Radfahren in Bozen
Nun begann die eigentliche Arbeit zum Thema "Fahrradstadt Bozen". Ich begann mit meiner Recherche.
Viele Informationen bekomme ich nicht nur aus dem Internet, sondern auch aus einem Gespräch mit dem "Nachbarn" auf dem Campingplatz oder bei einem "Schnack" unterwegs.
Wie hat sich das Radeln in Südtirol entwickelt?
Welches Radnetz führt durch Südtirol?
Welche Informationen sind für Leser interessant und vor allem:
Was interessiert mich?
Was möchte ich wissen? Und das erzähle ich dann in meinen Blogposts.
Wichtig ist mir - und das passiert ganz automatisch - die Verbindung von Fakten mit den eigenen Erlebnissen. Wie eben das Thema der Rudel-Räder in der Stadt Bozen.
Tag 5: das Schreiben beginnt
Erst jetzt öffne ich das Schreibprogramm und schreibe erstmal alles von der Leber weg herunter. Dann beginne ich, die Informationen aus unterwegs gemachten Notizen oder Sprachmemos zu filtern.
Dazwischen folgt die Sortierung von Fotos und immer wieder
Gedanken,
Gedanken,
Gedanken.
Manche Absätze schreibe ich mehrfach und andere fliegen wieder raus.
Und aus vielen einzelnen Eindrücken entsteht langsam die Geschichte.
Tag 6: Bilder, Überschriften und Feinschliff
Ein Blogbeitrag besteht ja nicht nur aus Text. Das wäre ja langweilig.
Nein, an den passenden Stellen werden Fotos eingefügt, die die Geschichte plastisch darstellen und untermauern.
Am wichtigsten ist eine pfiffige Überschrift, kurz, bündig, authentisch Ich.
Es werden Zwischenüberschriften eingefügt, die dem Leser sagen, was im folgenden Absatz beschrieben wird.
Last not least gehts an die Verlinkungen zu internen Beiträgen oder externen Links.
Ganz wichtig: SEO - die Suchmaschinenoptimierung
Klingt erst mal kompliziert, bedeutet aber im Grunde:
Wie gestalte ich meine Blogtexte so, dass ihn Menschen über Google finden können?
Ich gebe dir ein Beispiel:
Wenn ich den Titel nehme "Ein schöner Tag in Südtirol", dann weiß Google nicht wirklich, um was es geht :-(
Schreibe ich stattdessen:
"Bozen mit dem Fahrrad entdecken"
versteht Google viel besser, dass der Artikel etwas mit Bozen und Fahrradfahren zu tun hat :-)
Und was muss ich nun für SEO tun?
eine passende Überschrift finden
die besagten Zwischenüberschriften einfügen
wichtige Suchbegriffe im Text schreiben
interne Verlinkungen auf andere Artikel von mir
externe Verlinkungen z.B. zur Bozen-Radstrecken-Website, dem Lieblingscafé o.ä.
Meta-Beschreibungen erstellen, das sind die kurzen Texte, die du dann bei Google unter dem Titel siehst
eine lesbare Struktur gestalten, also Schlüsselwörter fett schreiben
Dann prüfe ich alles noch einmal.
Und nochmal.
Ändere hier und da, bessere aus, bringe Lesefluss ins Dokument,
prüfe auf Grammatik und Rechtschreibung.
Tag 7: Das war´ s - ich gehe ans Veröffentlichen
Wenn für mich alles stimmig ist, dann wird ... törööööh ... veröffentlicht und der Beitrag erscheint online.
Das war es dann.
Und für die Leser wirkt das oft wie ein einzelner Artikel.
Für mich steckt darin eine ganze Woche voller Erlebnisse, Beobachtungen, Fotos, Notizen und Überarbeitungen.
Deshalb antworte ich auf die Frage „Ach, du schreibst?“ auch heute gerne:
Ja!
Ich schreibe.
Immer und immer wieder :-)

Bis bald beim nächsten Artikel.

Dieser Blogbeitrag entstand im Anschluss an den Bericht
über "Radeln in Bozen".
Einfach mal aus der Hüfte heraus,
um dem Leser einen kleinen Blick hinter die Kulissen zu geben,
wieviel Vorarbeit hinter dem Schreiben steckt:-)
Es grüßt dich von
dahoam in Erding,
Trixi
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