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Entdeckungsreise #1: der Hopfen - von der Hallertau in die ganze Welt

Autorenbild: Bulli-proof
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8. Sept.
4 Min. Lesezeit
Hopfendolden in der Hallertau
Hopfendolden in der Hallertau
Eigentlich liegt die Hallertau für mich fast vor der Haustür.

Von Erding fahre ich ungefähr 20 Kilometer bis Freising und wenn ich von dort noch einmal ungefähr dieselbe Strecke weiterfahre, bin ich mittendrin.


Wobei „mittendrin“ eigentlich gar nicht stimmt. Denn die Hallertau beginnt viel früher.


Die Deutsche Hopfenstraße startet bereits in Freising, und nördlich der Stadt beginnt sich die Landschaft zu verändern.

...

Es war ein gewöhnlicher Sonntag. Es stand für mich nichts auf dem Programm und trotzdem war ich im Entdeckermodus. Gegen Mittag fuhr ich dann los, mit dem Ziel:


das Hopfenmuseum in Wolnzach.


Hinter Freising passierte es - gefühlt von einem Kilometer auf den nächsten. Eben standen noch Mais und Getreide auf den Feldern und dann gab es den abrupten Wechsel zu hohen Pfählen und grünen Pflanzen, die sich kilometerweit darum wanden:


Hopfen.

Und noch mehr Hopfen.


Majestätisch :-)
Majestätisch :-)

Mein erster Stopp: Au in der Hallertau.

Ich stoppte in Au in der Hallertau.


Der Dreh- und Angelpunkt ist hier das Auer Bier und die Schlossbrauerei Au-Hallertau. Ein wahres Fundstück - ein bisschen in die Jahre gekommen, Mauern mit Patina, vergessener Prunk, dafür aber viel Geschichte.


Zweiter Blick.


Ich entdeckte den Biergarten, von alten Bäumen umgeben, lauschig und versteckt und knapp an der Kategorie Lost Place vorbei - aber: irgendwie charmant.


Auf Nachfrage beim Kellner, ob ich die Gewölbe wohl sehen dürfte, machte er mir überall Licht an und ich konnte mich in Ruhe umsehen.


Ich sah im Keller verstaubte Zapfanlagen, Tische und Bänke, schmiedeeiserne Treppen zu den Sudkesseln, einen alten Stammtisch-Aufsteller.


Mein Entdeckergeist sprang an.


Jahrzehntelange Sammlung von Brauereischildern

Mein Blick schweifte an den Wänden entlang - da hingen Hunderte von alten Brauereischildern!


Ich stand vor einer über viel Jahrzehnte gewachsenen Sammlung von Brauerei-Emaille-Schildern aus aller Welt. Und ab da war das nicht nur ein altes Sudhaus.


Jedes einzelne dieser Schilder erzählt seine eigene Geschichte - und aus welchem Grund auch immer landete es irgendwann hier in Au.

...

Stunden später in Wolnzach

Hier brauchte ich erst mal eine verdiente Pause, bevor ich ins Museum ging. Ich fand ein gemütliches Café in der Nähe des Rathauses. Viele Radfahrer kehrten hier ein, was ja kein Wunder ist, denn Hopfenland ist auch Radler-Land.


Ich sortierte das Erlebte und hörte ganz nebenbei von den Tischnachbarn, dass im August und September Erntezeit ist.


Aha!


Deswegen roch es im ganzen Ort auch nach herbgrün, Spätsommer und Hopfen. Ich hatte also die beste Zeit für meinen Hallertau-Ausflug getroffen.


Im Hopfenmuseum

Den Anfang des Museums bildete eine riesige, begehbare Hopfendolde - ein wahrer Hingucker, in der Geruchsstationen aufgebaut waren. Ich hielt die Nase über verschiedene Gitter. Kein Knopf, einfach ein Duft.


Mal zitrusartig, mal blumig, mal eher streng, je nach Sorte.


Aus einem Körbchen mit getrocknetem Hopfen griff ich mir eine Handvoll und zerrieb ihn zwischen den Fingern. Es roch tatsächlich nach Zitrone.


getrockneter Hopfen - einfach mal riechen
getrockneter Hopfen - einfach mal riechen

Zwei Stunden später: Was soll ich sagen, die Zeit im Museum ist mit 2 Stunden zu knapp bemessen. Aber um 17:00 Uhr war halt einfach Feierabend. Die Hauptsache jedoch war, dass ich das Museum mit mehr Wissen verließ, als ich es erwartet hatte.


Mir war vorher nicht bewusst, wie entscheidend die besonderen Eigenschaften des Hopfens für die Herstellung von Bier sind.

Vom Heilkraut zum Bier

Der Hopfen hat eine Vorgeschichte und zwar eine sehr lange.


Lange bevor er das Bier prägte, war der Hopfen als Heilpflanze bekannt. Im 9. Jahrhundert tauchte er in Schriften auf und über Klöster fand er seinen Weg in die Braukunst.


Bereits um 1160 beschäftigte sich Hildegard von Bingen in ihrem naturkundlichen Werk PHYSICA mit den besonderen Eigenschaften des Hopfens als Heilpflanze und seiner konservierenden Wirkung auf Getränke. Das war damals das A und O der Bierherstellung.


Ein weiterer Meilenstein für den Hopfen folgte 1516:


Das bayerische Reinheitsgebot schrieb Gerste, Hopfen und Wasser als Zutaten für Bier fest.


Besonders spannend fand ich die Information, dass der Hopfen früher von der Nordsee bis in den Alpenraum verbreitet war!


Als ich das las, dachte ich sofort an Hopfen am See. Und das liegt im Allgäu in der Nähe von Füssen.


Ob der Name wirklich auf den Anbau zurückgeht, ist zwar nicht eindeutig belegt, aber seitdem sehe ich solche Namen mit anderen Augen.


Kleiner Einschub: "wusstest du...?

... dass Hopfen heute kaum noch als ganze Dolde verkauft wird, sondern meist zu Pellets gepresst oder als Extrakt verarbeitet wird?


So bleibt er haltbar und kann exportiert werden.


Und ... dass rund 70 % der deutschen Ernte in etwa 100 Länder weltweit exportiert werden?


Was für ein Tag :-)

Also dieser Tag füllte meinen Entdecker-Akku zu 100 %.


Wegen eines Museums fuhr ich los und kam mit einem völlig neuem Blick nach Hause. Dieses Wissen würde sich prima in eine Stadtführung einfügen lassen ;-)


Wenn der Tag leise nachklingt

Nach dem Museumsbesuch hätte ich im Prinzip heimfahren können.


Aber... ich war noch nicht ganz fertig mit dem Tag.


Mich lockte noch der Besuch des Hopfenturms in der Nähe von Reichertshausen.


Der Hopfenturm ist eine Plattform, die dir einen Blick über die scheinbar endlosen Hopfengärten beschert.

Ich stieg also hinauf, ließ den Blick über die Felder schweifen und nahm die Stimmung in mich auf.


Diese Aussicht mit der untergehenden Sonne war schon ein Traum.


Der Blick vom Hopfenturm
Der Blick vom Hopfenturm

Erst danach machte ich mich (endlich) auf den Heimweg.


Mission complete .. oder doch noch nicht ??


Das Souvenir für dahoam_in_erding

Bereits auf dem Heimweg entdeckte ich Dorf-Kinder am Straßenrand.


Sie verkauften selbst gebundene Hopfenkränze.


Neugierig hielt ich an und fragte die drei, was sie dafür wollten.

"Acht Euro", sagte einer.


"Such mir den schönsten aus", erwiderte ich ihm lächelnd.


Glückselig und mit einem Kranz auf dem Beifahrersitz fuhr ich nach Hause.


Es brauchte kein großes Souvenir.


Ein selbst gebundener Hopfenkranz reichte, damit dieser Tag noch lange nachklingen sollte.


Hopfenkranz - mein Souvenir
Hopfenkranz - mein Souvenir
Logo mit blauem Ring: BULLI-PROOF und rotes Herz über einem bunt bemalten VW-Bulli; unten kleine Symbol-Icons.


Wenn du mit mir mehr entdecken möchtest:


Eine Zeitreise durch die Herzogstadt Erding, die bald 800 Jahre alt wird.


Wie aus einer Idee eine Geschichte wird.

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